Prisdorf, 19.03.2022

Praxis in der Ausbildung

Helferinnen und Helfer sollen im Katastrophenfall helfen, in Ausnahmelagen, wenn „normal“ nicht mehr geht. Auf der anderen Seite sollen Probleme im Alltag möglichst nur durch den privaten Sektor gelöst werden.

Einsatzkräfte setzen auf ungewöhnliche Methoden.

Der Einsatz ehrenamtlich Helfender des Bundes unter „normalen“ Bedingungen ist an viele Bedingungen geknüpft. Doch manchmal hat das THW Glück und das seit der Sturmwoche im Februar wieder „normale“ Wetter stellt nicht das entscheidende Hindernis dar.

Eine Linde hatte einer der Stürme vor einer Kate umgebrochen. Der Baum war vom Nachbarbaum abgerutscht und so auf dem Dach des Nebengebäudes zu liegen gekommen, dass es gar nicht einfach war, den Baum zu bergen. Gärtner, Waldarbeiter und andere hatten sich den Schaden angesehen, doch die „Lösung aus einer Hand“ konnte keine Firma bieten. Einer der Beteiligten kam dann auf das THW zu und bat den Baum im Rahmen der Ausbildung der Katastrophenschützer zu beseitigen.

Die Situation vor Ort bewerteten Einheitsführer und Ausbilder und es stellte sich heraus, dass dort eine fantastische Option für praktische Ausbildungen von Nachwuchskräften bestand. Noch etwas Papierkram und die Sache war geritzt.

Am Samstag rückten die Ehrenamtlichen dem Baum dann zu Leibe. Im Vordergrund stand der Einsatz des LKW-Ladekrans zur Entspannung hängender Bäume. Dazu musste zunächst bestimmt werden, wo genau die Drehpunkte lagen und wie hoch die Zug- und Druckspannung im Stamm wohl war. Es wurden die Anschlagpunkte ausgewählt und passende Anschlagmittel bestimmt. Jetzt war Fingerspitzengefühl gefragt, denn der Kran hat ein Hubmoment von über 70 Metertonnen. Es sollte ja nicht mehr Schaden durch den Einsatz entstehen, als der Baum zuvor schon angerichtet hatte.

Immer wieder wurden geprüft, ob der Kranhaken exakt lotrecht über dem Hubpunkt stand, um hier besonders gefährliches Schieben und Ziehen zu vermeiden. Erfahrene Ausbilder begleitete jeden Schritt und gaben manchen Tipp aus ihren langjährigen Einsatzpraxis weiter.

Für die Helfer der Bergungsgruppe, die mit ihrer großen Motorsäge doch endlich den Stamm durchtrennen wollten, war es eine harte Geduldsprobe. Der Gruppenführer nutzte die Zeit, um eine zweite Entspannungstechnik anzuwenden: Der hängende Stamm wurde mittels Spanngurt mit dem stehenden Stamm verbunden. So gesichert hätte man ihn von der Krone her abtragen können, ohne auf die dann steigende Druckspannung auf der Oberseite der Linde reagieren zu müssen. Auch die Gefahr eines herunterschlagenden Stammrests, der ggf. die Mauer des Anbaus beschädigt hätte, wäre gebannt. Mittels Umlenkrolle und Mehrzweckzug am stehenden Baum hätte die Bergungsgruppe dieses Problem ohne Kraneinsatz gelöst. Heute aber war der Kran dabei und mit wenigen Schnitten war die Aufgabe gelöst und der Baum beseitigt.


  • Einsatzkräfte setzen auf ungewöhnliche Methoden.

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