Chronik

Logo des THW z.Zt. der OV Gründung (By Technisches Hilfswerk (File:THW Logo 1950er.png) [Public domain], <a href='http://commons.wikimedia.org/wiki/File:THW_Logo_1950er.svg'>via Wikimedia Commons</a>)
Helfer im Kälteschutzanzug machen Pause, ca. 1965

Gründung

Nach Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde schnell deutlich, dass sich die technischen Aufgaben des Zivilschutzes im Wege einer zentral gelenkten, technischen Hilfeleistungsorganisation des Bundes gut erfüllen lassen würden. So eine Bundeseinrichtung würde auch das zivile Hilfeleistungssystem der jungen Republik sinnvoll ergänzen können. Den Auftrag zum Aufbau des THW im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums erging am 22.08.1950. Das Technische Hilfswerk wurde eine Bundesanstalt mit den Aufgaben

  • Zivilschutz
  • Auslandshilfe und
  • Ergänzung der Hilfsdienste der Länder bei größeren Unglücksfällen und bei Katastrophen, auf Anforderung der zuständigen Stellen,

Damit war der Grundstein für eine bisher weltweit einmalige Lösung gelegt: Das THW ist die einzige Behörde mit 99% ehrenamtlich mitwirkendem Personal.

Der Aufbau

Schon im Herbst 1951 gab es in ca. 250 Orten Ansprechpartner für Ortsverbände der „Bundesanstalt Technisches Hilfswerk“. Am 30.05.1952 wurde der Ortsverband Pinneberg gegründet.

Die Fünfziger

Unser erster Ortsbeauftragter war Stadtbaumeister i. R. Theodor Hansen. Die erste Unterkunft befand sich in Pinneberg, Damm, auf dem Gelände der damaligen Gaststätte „Finnern“. Die ersten Jahre waren von dramatisch schlechten Voraussetzungen bestimmt.

Die Sechziger

Im Sommer 1961 erhielt der OV, seine ersten Einsatzfahrzeuge. Dieser „Keim“ aus 3 Mannschaftskraftwagen (MKW) und einem Gerätekraftwagen (GKW), alle Typ Borgward, ist kontinuierlich gewachsen. Die Tugend, aus der übernommenen Ausstattung sofort Lösungen für Notlagen zu entwickeln, wird an der OV-Chronik deutlich: Keine 10 Monate vergingen zwischen der Übernahme der Fahrzeuge und den ersten Bewährungsproben: Die Orkannacht 1962 war da zunächst der Höhepunkt, doch auch in Pinneberg forderten die sechziger manches Eingreifen.

Der Bund hatte sein THW mit dem Werkzeug zur Lösung großer Probleme ausgestattet – die erste Motorsäge bei Pinneberger Rettungskräften gehörte dem THW und die 5t Grenze (Heben und Ziehen) ist unsere Untergrenze!

Im Einsatz

Die Siebziger

Dieses Jahrzehnt, mit dem Jubiläum 25-Jahre, muss als das erste Katastrophenjahrzehnt des OV gesehen werden: Der Flugzeugabsturz 1971, der Orkan 1976 und die Schneelagen 1978/79 machten einmal mehr deutlich, wie wichtig die „Bundesreserve“ an technischer Hilfe gerade für die ländlichen Gemeinden werden kann. Mit über 40 Pumpen aus ganz Schleswig-Holstein wurde z. B. die Marsch entwässert.

Der Ortsverband Pinneberg entwickelte sich zu einem schlagkräftigen Partner der Gefahrenabwehr. Die Aufgabe der Bekämpfung von Ölschäden auf Gewässern wurde ihm von der Stadt Pinneberg übertragen. Die Feuerwehr Pinneberg gab diese weitere Aufgabe gerne in andere Hände – zu tun gab es damals schon reichlich! Von Bundesseite wurde dem Ortsverband ein Instandsetzungszug (in Ergänzung) zugewiesen.

Der „I‑Dienst“ hatte die Aufgabe Infrastruktureinrichtungen (Wasser, Abwasser, Elektroversorgung, Gas) ggf. notdürftig instand zu setzen. Der Bergungszug, zunächst nach dem Muster des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD) aufgebaut, wurde in die „Struktur 72“ umgegliedert und das THW erhielt die Organisationsfarbe blau. Der erste blaue „MKW 72“ (Zulassung: PI-8601), kam im Frühjahr 1978 nach Pinneberg. Es war ein hochmodern ausgestatteter Mercedes 911 („Rundhauber“), wie man ihn heute noch vielfach findet.

Der tragbare Stromerzeuger, 2 x 1000W Flutlichtscheinwerfer und der elektrische Aufbrechhammer hielten Einzug in den Katastrophenschutz, bevor sie Feuerwehrstandard wurden. Der OV verfügte damals bereits über mehr als 10 Fahrzeuge und über 100 Aktive Helfer.

Die Achtziger

Der technische Fortschritt brachte neue Gefahren und der Bund reagierte mit neuen Einheiten und Ausstattungsdetails. Nach dem Erdbeben in Mexico-City kamen z.B. die 40t Hebekissen, mit denen auch Betonfertigteile gehoben werden können. Die bisher zur Ortung eingesetzten Hunde wurden durch hochempfindliche Geophone ergänzt  und in Pinneberg wurde eine Pontongruppe aufgebaut, die Fähren und Brücken bis 4t Tragkraft errichten und betreiben konnte. In den späten Achtzigern wurde der Instandsetzungszug in zwei Brückenbaugruppen des „Brückenbauzugs Nord“, an den Standorten Pinneberg und Hamburg-Altona umgegliedert.

Die Neunziger

Die historischen Veränderungen zur Jahreswende hatten Wirkungen auf das THW in Pinneberg: Transporte nach Berlin und Perleberg, Hilfsgüterlieferungen nach Königsberg und Gorki bringen Auslandseinsätze. In Pinneberg nimmt die Einbindung des Bergungszuges mit Wehrführer Uwe Kuhlmann den lange vermissten Umfang an. Die technischen Transportunfälle, wie das Eisenbahnunglück in Horst oder das Kentern der MS „Sabine D“ im Nord-Ostsee-Kanal, aber auch die Oderflut halten Pinneberger Helfer zusätzlich in Atem.

Die geänderte Bedrohungslage führt die Bundesregierung zu dem Entschluss, das THW umfangreich wie nie umzugestalten. Aus dem Bergungszug wird der Technische Zug (TZ), als Basiseinheit. Die Spezialeinheiten und der Instandsetzungsdienst werden zu Fachgruppe (FGr) umgegliedert. Der Ortsverband Pinneberg kann sein Stärke nach Aufstellungssoll nicht halten. Aus OV-Führung, Führungsgruppe Bereitschaft, Bergungszug, Brückenbauzug und Pontogruppe werden OV-Stab, TZ, FGr Wassergefahren und FGr Brückenbau. Der Vorteil der neuen Strukturen ist jedoch bundesweit messbar und bewährt sich auch vor Ort: Die Anforderungen durch die für die Gefahrenabwehr zuständigen Stellen steigen auf stabile 25 Einsätze je Jahr, hinzu kommen gut 30 sonstige Hilfeleistungen mit Vorplanungszeit von einigen Tagen.

Das neue Jahrtausend

Das erste Jahrzehnt

Die Sylvesternacht 1999 war die best-behütete Nacht in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auch in Pinneberg feierten über 50 Hilfskräfte alkoholfrei, wurden jedoch nicht ernsthaft gefordert. Die Erfahrungen des 11. September 2001, Milzbrand und Maul- und Klauenseuche rückten den Katastrophenschutz zwar wieder in den Blick der Medien, der Rückbauprozess zum Zwecke der Ausgabensenkung geht jedoch weiter. Trotz der Erfahrungen von Hochwasser, Orkan und Sturmflut ...

Rund 100 Helferinnen und Helfer und 25 Mitglieder der THW-Jugend bildeten damals den Ortsverband aktiv. Auch drei Althelfer nahmen regelmäßig am Dienstgeschehen teil.

Im Jahr 2002 verfügte der OV über umfangreiches Großgerät: 9 Einsatzfahrzeuge, 8 Anhänger, 4 Rettungsboote, 3 Brückenbausysteme, einen Stromerzeuger 100kVA, einen Autokran (25t) und ein modulares Sicherungssystem für Häuser (FraBlo-System, heute ASH).

Nachdem am Nikolaustag 2001 das erste Gespräch mit einem Investor für einen Unterkunftsneubau geführt wurde, feierte der Ortsverband am 13. April 2008 Einweihung. Auf dem Weg dahin wurden

  • 61 Termine wahrgenommen,
  • 7 Grundrisse auf 5 Grundstücken gezeichnet und
  • mit dem dritten Investor gebaut.

Der Mietvertrag wurde am 15. Mai 2007 unterschrieben, Baubeginn war am 15. August und die Abnahme erfolgte am 12. Dezember 2007. Der Umzug des OV war inkl. Rückbau der Einbauten in Prisdorf am 31.12.2007 abgeschlossen!

In dieses Jahrzehnt fällt auch die Aufbauarbeit der "Höhenrettungsgruppe" des Ortsverbandes. Aus einem kleinen Projekt entwickelte sich eine Spezialeinheit, wie sie nur in wenigen Kreisen vorgehalten wird. Durch das Zusammenwirken von Feuerwehr und THW gelingt es, die Fachleute und binden und Helfer zu gewinnen.

Die Gegenwart

Den Wechsel in das zweite Jahrzent des 21. Jahrhunderts hat das THW in der neuen Unterkunft erlebt. Es waren sehr ruhige Jahre. Die Ausstattung konnte kontinuierlich verbessert werden. So verfügt die Fachgruppe Wassergefahren jetzt über zwei Mehrzweckarbeitsboote und die Umstellung vom GKW II zum MzKW für die 2. Bergungsgruppe ist auch erfolgt.

Seit 2011 stellt das THW im Kreisgebiet die Einheit "Information und Kommunikation" für den Führungsstab Katastrophenschutz. Je ein Trupp pro OV gewährleistet die Einsatzfähigkeit im Schichtdienst. Im Jahr 2013 ersetzte das THW den vorzeitig ausgesonderten Autokran der Fachgruppe Brückenbau durch einen LKW-Ladekran 78 Metertonnen. Damit kann der Ortsverband die Dienstleisteung "Kraneinsatz" wieder anbieten. Das erste Zugtruppfahrzeug in der Geschichte des Ortsverbandes wurde 2015 an den OV übergeben. Nach einer Einweisung durch den Hersteller in Niedersachsen wurde das Fahrzeug noch in derselben Woche zu seinem ersten Einsatz genutzt.

Am 6. November 2015 gab es einen Wechsel im Amt des THW-Ortsbeauftragten für Pinneberg.

Im Dezember 2015 übergab das Land Schleswig-Holstein (LKN.SH) dem Ortsverband einen Anhänger für die Ölwehr 26 und der Bund ersetzte den MAN 6x6 mit Ladekran gegen einen Mercedes "Arocs" mit 27 Metertonnen Anbaukran für die Fachgruppe Wassergefahren. Zum Jahreswechsel übernahm die Fachgruppe Brückenbau den Plattformanhänger (18 Tonnen). Der LKW-Kipper wurde außer Dienst gestellt.

Im Jahr 2016 hat der Förderverein einen Anhänger gekauft und der Höhrenrettungsgruppe zur Verfügung gestellt. Im Mai 2017 konnte das Fahrzeug in Dienst gestellt werden, nachdem einbauten und Umrüstungen abgeschlossen werden konnten. Im Juni 2017 hat der Ortsverband seinen ersten "Familientag" durchgeführt und war so einmal Gastgeber exklusiv für die Anghörigen der Helferinnen und Helfer des Ortsverbandes.

Auslandseinsätze

Einsätze im Ausland, mit Helfern aus Pinneberg (Übersicht im Aufbau)

Einsatzland, JahrAufgabe
Russland (GUS), 1992Hilfsgütertransport
Russland (GUS), 1994Hilfsgütertransport
Russland (GUS), 1997Hilfsgütertransport
Bangladesh, 1998Trinkwasserversorgung
Venezuela, 1999Trinkwasser-Labor und Erkundung
Venezuela, 2000Trinkwasser-Laborlehrgang (WHO)
Spanien, 2002Ölschadenbekämpfung
Usbekistan, 2002Trinkwasserversorgung einer Nato-Übung
Iran, 2003Trinkwasserversorgung
Indonesien, 2004Trinkwasserversorgung
USA, 2005Großpumpeneinsatz
Zypern, 2006Evakuierung (EU)
Bolivien, 2007Trinkwasser-Labor und Erkundung (EU)
Liberia, 2007Aufbauhilfe (UN-Einsatz)
China, 2008Trinkwasserversorgung
Haiti, 2010Trinkwasserversorgung
Jordanien, 2013Infrastruktur für Flüchtlingslager (IHP)
Philippinen, 2013Trinwasserversorgung (THW-SEEWA)
Jordanien II, 2013Infrastruktur für Flüchtlingslager (IHP)
Serbien, 2014Flutkatastrophe nach Extremniederschlag (EU)
Irak, 2016Beratung des Bevölkerungsschutzes
der kurdischen Regionalregierung, Erbil (AA)

 

 

THW-Hochzeiten

2007: Regina & Christoph
2003: Yvonne & Fabian
2003: Silke & Florian

Ehrungen

Claus Böttcher wird die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein durch Frau Ministerin Alheit verliehen (2016).
Gerhard Hatje erhält die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein aus der Hand von Ministerpräsident Carstensen.
Bundesaußenminister Steinmeier im Einsatzland - Dr. Oliver Hallas erläutert seine Aufgaben.
2005: Urkunde des Bürgermeisters der Stadt Baton Rouge, Louisiana, USA - Dank für den Einsatz nach Hurrikan Katrina
Ministrpräsidentin Simonis verleiht die Gordon Hallas die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein.